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Wie haben sich die Zahlen zum Alkohol- und Drogenkonsum im deutschen Straßenverkehr in den letzten zehn Jahren entwickelt? Das wollte die FDP wissen und fragte deshalb die Bundesregierung, die im Mai 2018 auf die Kleine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg (Bundestag Drucksache 19/1857) mit umfangreichen Tabellen zum Thema Alkohol- und Drogenkonsum im Verkehr antwortete. Wir haben uns diese für euch genauer angeschaut und ein paar bundesweite Trends identifiziert.
Die statistischen Daten, so erklärt die Bundesregierung vorab, liegt eine „Auswertung der Daten der amtlichen Straßenverkehrsunfallstatistik zugrunde“. Diese trennt nur zwischen Alkohol und „anderen berauschenden Mitteln“. Zwar wollten die Fragesteller auch eine gesonderte Aufstellung zu den Cannabis- und Medikamentenfällen, dies konnte somit aber nicht geliefert werden. Die Daten umfassen die Jahre 2007 bis 2016, also 10 Jahre. Für das Jahr 2017 waren die Daten noch nicht ausgewertet.
Betrachtet man die bundesdeutsche Entwicklung in den zehn Jahren, so ergaben sich deutliche Trends:
1. Die Zahl der ingesamt registrierten Unfälle, bei denen der Hauptverursacher unter dem Einfluß von Alkohol, anderer berauschender Mittel oder beidem zusammen stand, sanken im Betrachtungszeitraum um rund ein Viertel: von 2007 mit 50.216 Fällen auf 2016 mit 37.549 Fällen – und dies mit stetiger, fast gleichlaufender jährlicher Abnahme bis ins Jahr 2013 (38.128 Fälle) und anschliessender statistischer Unaufälligkeit.
2. Die Zahl der Fälle, in denen der Hauptverursacher unter Alkoholeinfluss stand, sanken in diesem Zeitraum um rund ein Drittel noch deutlicher: von 47.606 Fälle auf 32.696 Fälle; diesmal bis ins Jahr 2014 mit anschliessender Stagnation.
3. Gleichzeitig verzweieinhalbfachte sich (+275%) die Zahl der Hauptverursacher polizeilich registrierter Unfälle unter Einfluss „anderer berauschender Mittel“ (BtM und Medikamente) von 1.74 Fällen auf 3.231 Fälle; mit quasi kontinuierlich steigender Tendenz.
4. Die Zahl, bei denen der Hauptverursacher „Alkohol UND andere berauschende Mittel“ zu sich nahmen, blieb im Betrachtungszeitraum bei rund 1.500 Fällen (2007: 1.436 – 2016: 1.622) nahezu unverändert.
5. Diese Tendenzen bilden sich in nahezu allen 16 Bundesländern ähnlich ab.
6. Die Zahl der Fahrverbote in Verbindung mit Alkohol lag 2007 bei bundesweit 68.484 Fällen und halbierte sich fast bis ins Jahr 2016 auf 36.651 Fälle. Gleichzeitig stieg die Zahl der Fahrverbote wegen „anderer Drogen“ im gleichen Zeitraum um ein Drittel von 24.251 auf 32.398 Fälle.
7. Insgesamt sank die Zahl der MPUs von 2007 mit 77.804 auf 64.980 Fälle in 2016 um rund ein Sechstel. Die rein alkoholbedingten MPUs (erstmalig auffällig und wiederholt) sanken hingegen von 52.272 Fällen um über ein Viertel auf 37.786 Fälle. BtM- und medikamentenauffällige MPUs stiegen gleichwohl um ein knappes Viertel von 14.873 auf 18.336 Fälle an.
Offen bleibt, warum sich die Zahlen zwischen „Alkohol“ und „anderen berauschenden Mitteln“ in diesen 10 Jahren so drastisch verschoben haben. Es könnte verschiedene, auch kombinierbare Gründe geben:
a) vereinfachte Nachweismethoden (bessere, einfachere Testgeräte)
b) verstärkte Schulung der Verkehrspolizei
c) Fokussierung auf „andere berauschende Mittel“ / vermehrte Schwerpunktkontrollen (hier vermutlich vor allem Cannabis und Amphetamine)
d) Präventionskampagnen im Bereich Alkohol wirkten im betrachteten Zeitraum; was allerdings nur den Rückgang bei Alkoholverursachern, nicht aber den exorbitanten Anstieg bei „anderen berauschenden Mittel“ erklären würde.
Lediglich die genauere statistische Erfassung (welche BtM, welche Medikamente) durch die Länderpolizeien oder gezielte Forschung könnte näheren Aufschluss hierzu geben.
Ein Beitrag von Jürgen Neumeyer
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